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9 Ayahuasca Zeremonien in 21 Tagen – Verrückt oder der einzige Weg in die Tiefe?

  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit


Neunmal trinken in 21 Tagen - ist das nicht Wahnsinn?

Diese Frage kommt fast immer.


Manchmal direkt ausgesprochen. Manchmal vorsichtig formuliert. Und manchmal sehe ich sie einfach im Blick eines Menschen, bevor das Retreat überhaupt begonnen hat, spätetens nach der ersten Urklangnacht.


„Neun Heilnächte in 21 Tagen?“

„Ist das nicht zu viel?“„Ist das nicht gefährlich?“ „Warum so intensiv?“

Und ich verstehe diese Fragen wirklich.


Denn ja:

Es ist intensiv.

Es ist körperlich fordernd. Emotional herausfordernd. Und manchmal unbequem.

Du kommst an Grenzen. Manchmal schneller, als dir lieb ist.


Aber vielleicht ist die spannendere Frage gar nicht:

„Ist das zu viel?“


Sondern eher:

Was passiert eigentlich, wenn du dir selbst wirklich begegnest –und nicht nur an der Oberfläche paddelst?

Denn genau darum geht es.

Und genau deshalb ist es nicht für jeden.


Eine Zeremonie ist eine Episode – ein Retreat eine ganze Staffel

Feuerprobe, Bild Internet
Feuerprobe, Bild Internet

Viele Menschen machen eine Ayahuasca-Erfahrung:

Eine Nacht.

Eine Zeremonie.

Eine intensive Reise.


Vielleicht erleben sie wunderschöne Visionen.

Vielleicht tiefe Erkenntnisse.

Vielleicht auch Angst, Widerstand oder völlige Überforderung.


Manche sagen danach:

„Das hat mein Leben verändert.“

Andere sagen eher:

„Ich bin froh, dass es vorbei ist.“


Und beides darf sein.


Eine einzelne Zeremonie kann unglaublich kraftvoll sein.

Sie kann Türen öffnen.

Etwas sichtbar machen. Ein Gefühl von Verbindung schenken.


Aber oft bleibt sie genau das: Eine einzelne Erfahrung.


Ein intensives Ayahuasca-Retreat funktioniert anders.

Nicht, weil „mehr automatisch besser“ wäre.

Sondern weil Wiederholungen prägt und Tiefe erzeugt.


Die erste Zeremonie öffnet oft nur eine Tür.

In der zweiten beginnt der Geist langsam zu verstehen, dass Ausweichen schwieriger wird.

In der dritten merkst du vielleicht, wie stark Kontrolle dein Leben bestimmt.


Und irgendwann beginnt etwas sehr Ehrliches:

Die Geschichten, die du dir über dich selbst erzählt hast, funktionieren nicht mehr ganz so gut.

Nichts dramatisches.

Aber klar.


Und genau dort beginnt oft die eigentliche Arbeit.

Warum mehrere Zeremonien etwas verändern können

Viele Menschen unterschätzen, wie sehr unser Geist darin geübt ist, auszuweichen.

Wir lenken uns ab.

Analysieren alles.

Erklären Gefühle weg.

Bleiben im Kopf.

Oder flüchten in eine abgehobene Spiritualität, ohne wirklich zu fühlen.


Eine einzelne Zeremonie reicht oft nicht aus, um diese Muster wirklich zu durchdringen.


In einem intensiven Retreat passiert deshalb etwas anderes.

Es entsteht ein Prozess.

Ein roter Faden.

Die Erfahrungen bauen aufeinander auf.


Themen wiederholen sich. Gefühle vertiefen sich. Zusammenhänge werden sichtbar.


Und irgendwann wird das „Nicht-hinschauen“ schwieriger als das Hinschauen selbst.


Der Körper beginnt sich zu reinigen

Viele denken bei Reinigung zuerst an das Körperliche.

An Erbrechen. An Schwitzen. An Müdigkeit.


Doch Reinigung geschieht oft auf mehreren Ebenen gleichzeitig.


Emotionen, die lange unterdrückt wurden, kommen plötzlich in Bewegung.

Traurigkeit. Wut. Angst. Manchmal auch tiefe Freude oder Mitgefühl.


Der Körper trägt Erinnerungen.

Nicht unbedingt als konkrete Bilder – sondern als Spannung, Schutz oder innere Enge.


Und manchmal beginnt sich genau das langsam zu lösen.

Nicht auf Knopfdruck.

Aber spürbar.


Der Geist wird ruhiger

Die ersten Zeremonien sind oft laut.

Gedanken.

Erwartungen.

Ängste.

Kontrolle.


Viele Menschen möchten „etwas erreichen“.

Etwas sehen. Etwas lösen. Etwas verstehen.


Doch mit der Zeit verändert sich oft etwas Interessantes:

Der Geist wird langsamer. Stillere Momente entstehen.

Die permanente innere Ablenkung verliert an Kraft.


Und plötzlich beginnt man nicht nur zu denken – sondern tatsächlich wahrzunehmen.

Sich selbst.

Den eigenen Körper.

Die eigenen Gefühle.

Das eigene Leben.


Manche Menschen erleben zum ersten Mal seit Jahren echte Stille in sich.

Nicht Leere. Sondern Klarheit.


Die Seele erinnert sich

Schamanenarbeit, Bild Internet
Schamanenarbeit, Bild Internet

Das ist schwer in Worte zu fassen.


Und gleichzeitig erleben es viele Menschen sehr ähnlich.

Irgendwann taucht die Frage auf:

„Wo habe ich mich selbst verloren?“


Wo habe ich begonnen, mich anzupassen? Mich zu schützen? Mich zu verschließen? Wo und wann habe ich aufgehört, wirklich zu fühlen?


Manche nennen das Trauma. Andere Konditionierung. Wieder andere sprechen von verlorenen Seelenanteilen.


Die Begriffe sind letztlich nicht das Entscheidende.

Wichtiger ist die Erfahrung dahinter:

Etwas in dir beginnt sich wieder zu erinnern.

Nicht daran, wer du sein solltest.

Sondern daran, was vielleicht schon immer da war.


Die eigenen Themen werden präziser

Am Anfang wirkt vieles chaotisch.

Zu viele Gefühle.

Zu viele Gedanken.

Zu viele Informationen

Zu viele Bilder.


Doch mit der Zeit wird es konkreter.

Die Muster hinter Beziehungen werden sichtbar.

Alte Verletzungen zeigen sich klarer.

Glaubenssätze, die jahrelang unbewusst liefen, treten plötzlich ins Licht.


Zum Beispiel:

  • „Ich muss stark sein.“

  • „Ich genüge nicht.“

  • „Ich darf keine Schwäche zeigen.“

  • „Ich bin verantwortlich für alles.“


Und irgendwann passiert etwas Entscheidendes:

Du erkennst nicht nur was da ist.

Sondern auch, warum.

Und genau dort entsteht oft Mitgefühl für sich selbst und andere.


Es ist wie wenn du die Handlung eines anspruchsvollen Film beginnst zu verstehen.


Was viele unterschätzen: Integration entscheidet alles

Die Zeremonie selbst ist nicht das Ziel.

Sie ist das Zentrum, ja.

DochErkenntnisse alleine verändern noch kein Leben.


Die eigentliche Frage lautet:

Und jetzt - was machst du damit?

Wie gehst du zurück in deinen Alltag?

In deine Beziehungen?

In deine Arbeit?

In dein bisheriges Leben?


Deshalb ist Integration so wichtig;

Gespräche.

Reflexion.

Stille.

Tagebuch.

Natur.

Bewusstes Verändern alter Muster.


Denn ohne Integration wird selbst die tiefste Erfahrung irgendwann einfach nur eine Erinnerung.


Verrückt oder Klarheit?

Pilzsuche, Bild Internet
Pilzsuche, Bild Internet

Vielleicht beides.


Von außen betrachtet wirkt ein intensives Ayahuasca-Retreat oft extrem.

Und ehrlich gesagt: Manchmal fühlt es sich auch mitten im Prozess extrem an.


Aber gleichzeitig beschreiben viele Menschen etwas Überraschendes:

Dass sie sich selten so klar erlebt haben.

Nicht perfekt.

Nicht „erleuchtet“.

Aber ehrlicher.

Näher bei sich selbst.


Ein intensives Ayahuasca-Retreat ist kein Abenteuerurlaub.

Keine Mutprobe.

Keine spirituelle Trophäe.

Es ist ein Prozess.


Und die eigentliche Frage ist vielleicht nie gewesen:

„Ist das zu viel?“

Sondern eher:

„Wie ehrlich bin ich bereit, mir selbst zu begegnen?“

 
 
 

1 Kommentar


tutamunda
vor einem Tag

Liebe Putsum


Danke für diesen wunderbaren und sehr treffenden Beschrieb.


Ja ich kenne beides. Einzelne Zeremonienächte, aufeinanderfolgende mehrtägige Zeremonien und deine tiefgehende Retreats.


Ich kann bestätigen, dass ich durch die intensive Medizinarbeit bei und mit dir an Themen heran gekommen bin, welche Jahre in mir geschlummert haben, obwohl ich schon lange auf dem Weg bin.

Und ich erfahren durfte, wie sich von Nacht zu Nacht die nächst tiefere Schicht zeigte und die eine Arbeit die Vorbereitung für das nächste war.

Das ist nur mit einem längeren Retreat mit mehreren aufeinanderfolgenden Zeremonien möglich.


Auch die Reinigungsrituale wie Kräuterdampfbad, Detoxfussbäder, Lichttherapie, Ernährung,, Kuychiwasigarten, Aurasoma und Amazonasblüten als Unterstützung während den Prozessen waren sehr hilfreich und wohltuend.

Es ist eine tiefenreinigung auf verschiedenen…


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